Die Geschichte der Drachen

Vom Kinderspielzeug zum Hi-Tech-Flieger

Der Ursprung des Drachenbaus liegt in Asien. Von dort verbreitete sich diese Kunst über die gesamte Welt.

In Ostasien ist das Drachensteigen bis auf den heutigen Tag Teil des kulturellen und religiösen Lebens. Schon vor etwa 2000 Jahren haben dort die Menschen Gebilde aus Bambus und Stoff in die Luft steigen lassen. Als Wiege des Drachenbaus gilt China. Von dort aus verbreitete sich diese Kunst mit buddhistischen Mönchen im gesamten Ostasiatischen Raum.

In China fliegen die ersten Drachen

Die frühesten Hinweise auf die Windspiele datieren auf etwa 400 vor Christus. Zu dieser Zeit soll in China ein hölzerner Drachen in Form eines Vogel in die Luft aufgestiegen sein. Doch dienten sie nicht fröhlichen Kinderspielen, sondern standen im Dienst des Militärs. Die Soldaten nutzten die weit sichtbaren Himmelszeichen um über weite Entfernungen Signale oder Nachrichten zu übermitteln. Eine Legende berichtet von General Han Hsin, der 196 vor Christus einen Palast belagerte. Um die Festung erobern zu können, plante er einen Tunnel unter deren Mauern vor zu treiben. Mit einem Drachen ermittelte er die nötige Länge des Tunnels. Durch diesen drangen die Soldaten in den Palast ein und eroberten ihn.

Drachenfeste in Japan und Korea

Auch in anderen ostasiatischen Ländern waren Drachen bekannt. Die Bewohner von Korea und Japan entwickelten auf den aus China übernommenen Formen eigenständige Drachentypen. Die oft gigantisch großen Drachen wurden zu praktischen Anwendungen oder bei rituellen Zeremonien benutzt. In Japan half der Drachen beim Bau von hohen Gebäuden Ziegel oder Kacheln in großen Körben zu den Arbeitern zu heben. Ähnlich den chinesischen Militärs verwendeten man auch in Korea und Japan die Windspiele für militärische Zwecke. Ein zeitweises Bauverbot von Menschen tragenden Drachen aus Furcht vor einer Invasion aus der Luft war in Japan die Folge.

Doch auch im Brauchtum spielen die Drachen eine große Rolle. Am fünften Tag des fünften Monats feiert man in Japan das Knabenfest. Zur Feier jedes im vergangenen Jahr geborenen Jungen lassen die Familien Drachen in Form von Karpfen an Stangen steigen. Diese Luftsäcke symbolisieren das Vorankommen des Sohnes im Fluss des Lebens. Auch in Korea gibt es ähnliche Bräuche zum Beginn des Neuen Jahres.

Berühmt sind die Kampfdrachen, die von Afghanistan bis Malaysia bekannt sind. Mit ihnen werden regelrechte Wettkämpfe ausgetragen, bei denen die Kontrahenten versuchen die Drachenschnüre der Gegner mit der eigenen zu durchtrennen. Der so freigewordene Drachen ist die Trophäe des Siegers. Ihren Ursprung mögen diese Kämpfe in Streitigkeiten zwischen Nachbardörfern um die genaue Grenzziehung und Landverteilung haben.

Der Drachen in Mitteleuropa

Die Anfänge des Drachenbaus in Europa liegen in einer etwas dunkleren Epoche. Schon die Römer haben Drachen ähnliche Standarten gebaut. Ab dem 14. Jahrhundert sind Beschreibungen von an Schnüren fliegenden „Dracones“ bekannt. Dabei entstanden zwei unterschiedliche Formen. Zum Einen sogenannte Luftsackdrachen, zum Anderen Wimpeldrachen. Die Fahrten niederländischer Kaufleute in den fernen Osten brachten sie dort in den Kontakt mit dortigen Drachenformen. So setzten sich flachen Drachen auch in Europa durch. Lange Zeit galt die Beschäftigung mit den Windspielen als beliebte Freizeitbeschäftigung für Jung und Alt. Erst im 18. Jahrhundert nutzen Wissenschaftler seine Möglichkeiten für ihre Zwecke. 1749 zeichnete der Schotte Alexander Wilson die Lufttemperaturen in verschiedenen Höhen auf. Drei Jahre danach führte Benjamin Franklin das wohl berühmteste Experiment mit Hilfe eines Drachens durch. Während eines Gewitters lies er einen Drachen steigen und leitete den einschlagenden Blitz ab.

Experimente mit Drachenformen

Anfang des 19. Jahrhunderts wandte man sich mehr den verschiedenen Drachenformen zu. Besonders die Möglichkeiten der Lenkung standen im Mittelpunkt des Interesses. Sir George Cayley war einer der Vorreiter dieser Erfinder. In seinen Gleitern nahm er viele später noch einmal gemachte Entdeckungen wie die Stabilisierung durch angewinkelte Flächen vorweg. Auch zum Antrieb verschiedener Fahrzeuge benutzte man die Drachen. Als Beispiel sei Charles Pococks „char-volant“, eine von Drachen gezogene Kutsche genannt. Pocock entwickelte auch ein System zur Rettung Schiffbrüchiger. Von der Mitte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden eine Reihe verschiedener Drachensysteme dafür.

Zu etwa der gleichen Zeit entdeckten die Meteorologen den Drachen als Hilfsmittel für sich. Ihre Anforderungen an eine stabile Plattform für ihre Messgeräte beflügelte die Drachenentwicklung.

Der Gespannflug und andere Entwicklungen

Bei den Experimenten entdeckten die Drachenbauer, dass mehrere hintereinander an einer Leine fliegende Drachen eine enorme Zugkraft entwickelten. Diese wollten sie nutzen, um Menschen tragende Drachen zu bauen. Das berühmteste Beispiel ist der „Manlifter“ von Samuel F. Cody. Riesige Drachenkonstruktionen bevölkerten jetzt den Himmel. Sie trugen militärische Beobachter in die Höhe. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die U-Bootflotten beider Seiten Drachen, um ihren Beobachtungsradius zu vergrößern. Eine besondere Form des Drachens stellt dabei der Focke-Achgelis F.A.330 Tragschrauber dar. Andere Formen nutzten die Militärs zur Luftabwehr.

Hängegleiter und Parafoil

1948 entstand eine Drachenform, die ohne starre Verstrebungen auskommt. Francis Rogallo entwickelte eine halbflexible Form, die als Deltadrachen bekannt ist. In vergrößerter Form erzeugt sie so viel Auftrieb, dass sie einen Menschen problemlos in die Höhe trägt. Der Hängegleiter war geboren. Andere moderne Drachenformen sind die Schlittendrachen, die Lenkdrachen oder die Parafoils. Letztere sind in großer Form auch als lenkbare Fallschirme in Gebrauch.

Frank Scholz, Frank Scholz

Frank Scholz - Ich habe 1966 in der Freien und Hansestadt Hamburg das Licht der Welt erblickt. Doch seit über dreißig Jahren lebe ich in der ...

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